Zum Hauptinhalt springen
Projekt Artemis Lädt...

Orion-Raumschiff - Das Herzstück der Artemis-Missionen

Das Orion-Raumschiff mit europäischem Servicemodul (ESM) bringt Astronaut:innen zum Mond. Alles über Technik, Kapazität und die Rolle Europas.

Orion-Raumschiff mit europäischem Servicemodul

Wenn vier Astronaut:innen in den nächsten Jahren zum Mond fliegen, werden sie in einer Kapsel sitzen, die in den USA gebaut wurde – angetrieben von einem Modul, das in Bremen, Deutschland, entstand. Das Orion Multi-Purpose Crew Vehicle mit seinem europäischen Servicemodul (ESM) ist das vielleicht ambitionierteste transatlantische Raumfahrtprojekt seit der ISS. Und es ist das einzige Raumschiff der Welt, das Menschen über die Erdumlaufbahn hinaus bringen kann.

Orion + ESM

Crew
4 Astronaut:innen
Wohnraum
9 m³
Missionsdauer
Bis zu 21 Tage
Hitzeschild
5 m Durchmesser
ESM Solarleistung
11 kW
ESM gebaut in
Bremen (Airbus)

Mehr Platz als Apollo, mehr Technik als je zuvor

Orion erinnert auf den ersten Blick an die Apollo-Kapsel – kegelförmig, mit einem massiven Hitzeschild an der Unterseite. Doch der Vergleich endet schnell. Mit 9 Kubikmetern Wohnraum bietet Orion fast 50 Prozent mehr Platz als das Apollo-Kommandomodul und Platz für vier statt drei Astronaut:innen. Die Missionsdauer steigt von Apollos maximal 12 Tagen auf bis zu 21 Tage.

MerkmalApollo CMOrion
Crew34
Volumen6,2 m³9 m³
Missionsdauer~12 TageBis zu 21 Tage
Hitzeschild3,9 m5 m
WiederverwendbarNeinTeilweise

Der größte Unterschied steckt aber in der Technik: Moderne Lebenserhaltungssysteme, digitale Flugsteuerung, redundante Kommunikation über das Deep Space Network und ein Hitzeschild, der mit fünf Metern Durchmesser der größte je gebaute ist.

Das ESM – Made in Bremen

Hinter der Orion-Kapsel sitzt das Modul, das alles am Laufen hält: das European Service Module. Gebaut von Airbus Defence and Space in Bremen im Auftrag der ESA, ist es Europas wichtigster Beitrag zum Artemis-Programm.

Das ESM ist das Kraftwerk und der Motor von Orion in einem. Vier ausklappbare Solarpaneele liefern 11 Kilowatt Strom. Ein AJ10-Haupttriebwerk – ursprünglich für das Space Shuttle Orbital Maneuvering System entwickelt – sorgt für die großen Manöver, unterstützt von acht Hilfstriebwerken für Feinsteuerung. Dazu kommen 8,6 Tonnen Treibstoff, 240 Liter Wasser und die Versorgung mit Sauerstoff und Stickstoff. Beim Start wiegt das gesamte Modul rund 15 Tonnen.

Über 20 Unternehmen aus 10 europäischen Ländern arbeiten am ESM mit. Es ist ein Paradebeispiel europäischer Raumfahrttechnik – und ein cleverer Deal: Die ESA liefert die Servicemodule, im Gegenzug erhalten europäische Astronaut:innen Plätze auf Artemis-Missionen. Dieser „Barter-Deal” ersetzt das frühere ATV-Programm, das die ISS versorgte.

Europas Ticket zum Mond

Die ESA liefert die Servicemodule, die NASA reserviert im Gegenzug Plätze für europäische Astronaut:innen auf Artemis-Missionen. Ohne das ESM fliegt kein Orion – Europa ist unverzichtbar.

40.000 km/h – der kritischste Moment

Der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nach einer Mondmission ist eine der größten technischen Herausforderungen der Raumfahrt. Orion trifft mit rund 40.000 km/h auf die Atmosphäre – Mach 32, deutlich schneller als die 28.000 km/h bei einer Rückkehr von der ISS. An der Oberfläche des AVCOAT-Hitzeschilds entstehen Temperaturen von bis zu 2.760 Grad Celsius.

Orion nutzt dabei ein besonderes Manöver: den Skip Entry. Die Kapsel taucht kurz in die obere Atmosphäre ein, wird abgebremst, springt wieder hoch und taucht dann ein zweites Mal ein. Das verteilt die Hitze und reduziert die G-Kräfte auf die Crew erheblich – ein entscheidender Vorteil gegenüber dem direkten Eintritt, wie ihn Apollo nutzte.

2.760 °C

Beim Wiedereintritt mit 40.000 km/h entstehen an der Oberfläche des AVCOAT-Hitzeschilds Temperaturen von bis zu 2.760 Grad Celsius – heißer als die Oberfläche mancher Sterne.

Bei Artemis I funktionierte der Hitzeschild insgesamt gut, zeigte aber unerwartete Erosionsmuster. Die NASA analysierte diese intensiv und passte das Design für Artemis II an – Crew-Sicherheit hat absolute Priorität.

Ein ESM für jede Mission

Für jede Artemis-Mission wird ein neues Servicemodul in Bremen gebaut. ESM-1 flog mit Artemis I, ESM-2 ist für Artemis II fertiggestellt, ESM-3 befindet sich in der Produktion für Artemis III, und ESM-4 ist bereits in Planung.

ESMMissionStatus
ESM-1Artemis I (2022)Geflogen
ESM-2Artemis II (2026)Fertiggestellt
ESM-3Artemis III (bis 2028)In Produktion
ESM-4Artemis IV (ab 2029)In Planung

Bewährt im Deep Space

Artemis I hat bewiesen, dass Orion und ESM funktionieren. 25,5 Tage im Weltraum, 2,25 Millionen Kilometer zurückgelegt, eine Mondumrundung in nur 130 Kilometern Höhe und ein erfolgreicher Wiedereintritt mit 40.000 km/h. Alle primären Missionsziele wurden erreicht.

Jetzt folgt der nächste Schritt: Artemis II bringt 2026 erstmals vier Menschen an Bord. Danach Artemis III mit der ersten Mondlandung seit 1972. Und ab Artemis IV dockt Orion am Lunar Gateway an – einer Raumstation im Mondorbit.

Orion mit ESM ist nicht nur ein Raumschiff. Es ist die Brücke zwischen zwei Kontinenten, zwei Raumfahrtagenturen und zwei Epochen der Mondfahrt – gebaut, um Menschen dorthin zu bringen, wo seit über 50 Jahren niemand mehr war.