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Deutsche Astronauten im Artemis-Programm - Der Weg zum Mond

Matthias Maurer und Alexander Gerst sind Kandidaten für Artemis-Missionen. Wann fliegt der erste Deutsche zum Mond?

Deutsche Astronauten im Artemis-Programm

Kein Deutscher war je weiter von der Erde entfernt als die Internationale Raumstation. Das könnte sich noch in diesem Jahrzehnt ändern. Die ESA hat im Rahmen des Artemis-Programms drei Plätze für europäische Astronaut:innen auf Mondmissionen gesichert – und Deutschland als größter Beitragszahler der Agentur hat einen starken Anspruch auf mindestens einen davon.

Drei Plätze, ein Wettbewerb

Bei Artemis II (2026) fliegen ausschließlich NASA- und CSA-Astronauten. Doch ab Artemis IV (frühestens 2029) ist jeweils ein Platz für die ESA reserviert. Insgesamt drei europäische Astronaut:innen werden auf Artemis-Missionen zum Mond fliegen. Welche Nationen diese Plätze erhalten, hängt von mehreren Faktoren ab: Erfahrung, Eignung, nationale Investitionen – und politisches Verhandlungsgeschick.

Alexander Gerst – Deutschlands stärkste Karte

Alexander Gerst, geboren 1976 in Künzelsau, ist der bekannteste deutsche Astronaut und einer der erfahrensten in Europa. Der promovierte Geophysiker flog zweimal zur ISS: 2014 für die Mission Blue Dot (165 Tage) und 2018 für Horizons (197 Tage), wo er als erster Deutscher das Kommando über die Raumstation übernahm. Insgesamt verbrachte er über ein Jahr im All.

Gersts Führungsqualitäten sind erprobt, seine wissenschaftliche Kompetenz unbestritten, und seine Popularität in Deutschland macht ihn zum idealen Botschafter für eine Mondmission. Mit 50 Jahren (2026) liegt er genau im optimalen Altersfenster für Artemis IV.

Artemis ist nicht nur eine Rückkehr zum Mond, sondern der Beginn einer neuen Ära der Weltraumforschung. Europa muss dabei sein.

Alexander Gerst ESA-Astronaut, ISS-Commander

Matthias Maurer – der Materialwissenschaftler

Matthias Maurer, geboren 1970 in Oberstdorf, bringt einen anderen Hintergrund mit. Der promovierte Materialwissenschaftler wurde 2015 ins ESA-Astronautenkorps aufgenommen und flog 2021/22 mit der Mission Cosmic Kiss für 177 Tage zur ISS. Sein technischer Hintergrund – er arbeitete vor seiner Astronautenkarriere an Materialien für Raumfahrtanwendungen – macht ihn besonders wertvoll für Missionen, bei denen Mondgestein und Ressourcen untersucht werden.

Maurer spricht neben Deutsch und Englisch auch Französisch, Spanisch und Chinesisch – ein Vorteil in einem zunehmend internationalen Programm. Mit 56 Jahren (2026) ist er für Artemis IV oder V noch im Rennen.

Der Mond ist der nächste logische Schritt. Ich würde sofort zum Mond fliegen, wenn ich die Chance bekomme.

Matthias Maurer ESA-Astronaut, Cosmic Kiss

Was Deutschland einbringt

Deutschlands Beitrag in Zahlen

~25 % des ESA-Budgets, ~3 Mrd. € ins Artemis-Programm investiert, über 50 deutsche Unternehmen in der Zulieferkette, Airbus Bremen als Hauptauftragnehmer für alle ESMs, DLR-Forschung (MARE, LUNA-Anlage).

Deutschlands Anspruch auf einen Mondplatz basiert nicht nur auf guten Astronauten, sondern auf handfesten Beiträgen zum Programm. Airbus Defence and Space in Bremen baut sämtliche European Service Modules für die Orion-Kapsel – das Antriebssystem, ohne das keine Artemis-Mission fliegen kann. Die ESA führt die Entwicklung des I-HAB-Moduls für das Lunar Gateway, und Thales Alenia Space baut das ESPRIT-Modul.

Deutschland ist mit rund 25 Prozent der größte Beitragszahler der ESA und hat etwa drei Milliarden Euro in das Artemis-Programm investiert. Über 50 deutsche Unternehmen sind an der Zulieferkette beteiligt. Das DLR steuert Forschung bei – allen voran das MARE-Strahlungsexperiment, das bei Artemis I und II mitfliegt.

Im Gegenzug erhält Europa drei Astronautenplätze, Zugang zu Mondproben und Technologietransfer. Deutschland hat gute Argumente, mindestens einen dieser Plätze zu beanspruchen.

Wann fliegt der erste Deutsche zum Mond?

MissionZeitraumESA-Platz
Artemis IVAb 2029Sehr wahrscheinlich
Artemis VAb 2030Wahrscheinlich
Artemis VI+Ab 2032Möglich

Die Auswahl trifft die ESA nach mehreren Kriterien: Flugerfahrung, medizinische Eignung, Alter (idealerweise 45 bis 55 Jahre), nationale Investitionen und Diversität. Sowohl Gerst als auch Maurer erfüllen diese Kriterien. Die ESA hat 2022 zwar neue Astronaut:innen ausgewählt – darunter keine Deutschen –, aber für die Mondmissionen kommen vor allem die erfahrenen Veteranen in Frage.

Mehr als ein Symbol

Ein deutscher Astronaut auf dem Mond wäre historisch – der erste Deutsche, der einen anderen Himmelskörper betritt. Aber es wäre auch mehr als ein Symbol. Es wäre die sichtbare Bestätigung, dass Europa ein unverzichtbarer Partner der Mondfahrt ist. Dass Technologie aus Bremen, Forschung aus Köln und Ingenieurswissen aus ganz Deutschland die Rückkehr zum Mond erst möglich machen.

Die Chancen stehen gut. Ob Gerst oder Maurer – der erste Deutsche auf dem Mond könnte bereits Ende dieses Jahrzehnts Realität werden.