Deutschlands Rolle im Artemis-Programm
Ohne Bremen fliegt niemand zum Mond. Das klingt übertrieben, ist aber wahr: Das Europäische Servicemodul (ESM), gebaut von Airbus Defence and Space in Bremen, liefert Antrieb, Strom und Lebenserhaltung für die Orion-Kapsel. Ohne dieses Modul kann Orion nicht manövrieren, nicht navigieren, nicht überleben. Deutschland ist nicht nur Zuschauer beim Artemis-Programm – es ist ein unverzichtbarer Partner.
Deutschland im Artemis-Programm
- ESA-Anteil
- ~23 % (größter Beitragszahler)
- Investition
- ~5,4 Mrd. € in Raumfahrt
- Hauptauftragnehmer
- Airbus Bremen (alle ESMs)
- Forschung
- DLR (MARE, LUNA-Anlage)
- Unternehmen
- 50+ in der Zulieferkette
- Astronauten-Kandidaten
- Gerst, Maurer
Das Herzstück: Made in Bremen
Das ESM ist Deutschlands sichtbarster Beitrag zu Artemis. Vier große Solarpaneele erzeugen 60 Kilowatt Strom. Die Triebwerke ermöglichen alle Manöver auf dem Weg zum Mond und zurück. Und die Lebenserhaltungssysteme liefern Sauerstoff, Wasser und Temperaturkontrolle für die Crew.
Airbus in Bremen ist Hauptauftragnehmer für alle ESMs. Deutschland hält rund 50 Prozent Anteil an der Fertigung. Das erste Modul wurde „Bremen” getauft – eine Hommage an den Standort, der die europäische Mondfahrt möglich macht. 2025 wurde ESM-4 für Artemis IV zur Endmontage nach Bremen verschifft. Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR koordiniert die deutschen Beiträge innerhalb der ESA.
Jede Artemis-Mission, die zum Mond fliegt, fliegt mit einem Servicemodul aus Bremen. Das ist kein symbolischer Beitrag – es ist eine Schlüsselkomponente.
Mehr als ein Modul
Neben Airbus bringt OHB (Bremen/München) wichtige Technologie ein. Das Unternehmen entwickelt Betankungstechnik für das Lunar Gateway, das ESPRIT-Modul (ein europäisches Treibstoff- und Kommunikationsmodul) und das Xenon Transfer System für elektrische Triebwerksbetankung. Das European Refueller Module soll mit Artemis V starten – voraussichtlich 2028.
Das DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) steuert Forschung bei, die weit über Hardware hinausgeht. Das prominenteste Beispiel ist das MARE-Strahlenexperiment: Zwei Messpuppen – Helga und Zohar – flogen bei Artemis I mit und lieferten die weltweit ersten Strahlungsdaten für den Weg zum Mond. Diese Daten sind entscheidend für den Schutz der Crews bei allen folgenden Missionen. Dazu kommen Bodenkontrollzentren, Materialstudien, Biologie-Experimente und die Entwicklung neuer Lebenserhaltungssysteme.
61 Staaten, ein Ziel
Deutschland unterzeichnete die Artemis Accords 2021 und bekannte sich damit zu den internationalen Prinzipien der friedlichen Mondforschung. Als Teil eines Netzwerks von 61 Unterzeichnerstaaten arbeitet Deutschland mit der NASA, ESA, JAXA (Japan), CSA (Kanada) und vielen weiteren Partnern zusammen.
Die ESA liefert das Orion-Servicemodul und die Gateway-Module I-HAB und ESPRIT. Japan trägt zum I-HAB bei. Kanada baut den Canadarm3. Es ist ein globales Projekt – und Deutschland sitzt am Tisch der Entscheidungsträger.
Der Preis des Einflusses
Deutschlands Position kommt nicht von ungefähr. Mit rund 23 Prozent ist Deutschland der größte Beitragszahler der ESA. 5,4 Milliarden Euro fließen in kommende Raumfahrtprogramme. Die ESA-Ministerkonferenz 2025 fand in Bremen statt – kein Zufall, sondern Ausdruck der deutschen Führungsrolle.
Im Gegenzug erhält Deutschland Zugang zu Mondproben, Technologietransfer und – besonders wichtig – Astronautenplätze. Die ESA hat drei Plätze auf Artemis-Missionen gesichert. Alexander Gerst und Matthias Maurer gelten als Top-Kandidaten für Artemis IV oder V. Der erste Deutsche auf dem Mond könnte Ende dieses Jahrzehnts Realität werden.
Wirtschaftsmotor Mondfahrt
Artemis ist nicht nur Wissenschaft und Prestige – es ist auch ein Wirtschaftsfaktor. Über 50 deutsche Unternehmen sind an der Zulieferkette beteiligt. Airbus und OHB sichern qualifizierte Arbeitsplätze in Hightech-Branchen. Langfristige Verträge für ESM, Gateway und zukünftige Module schaffen Planungssicherheit. Und die Technologien, die für den Mond entwickelt werden – Antriebe, Energieversorgung, Robotik, Lebenserhaltung – finden als Spin-offs ihren Weg in irdische Anwendungen.
Für Universitäten und Forschungseinrichtungen öffnet Artemis neue Türen: Zugang zu Missionsdaten, Experimente auf dem Gateway, Forschungsmöglichkeiten für Studierende und wissenschaftliche Publikationen, die internationale Anerkennung bringen.
Von Bremen zum Mond
Die Kombination aus ESA-Kooperation und nationaler Expertise sichert Deutschland eine Spitzenrolle in der Mondfahrt des 21. Jahrhunderts. Technologische Exzellenz bei Orion ESM und Gateway-Modulen, Forschungskompetenz beim DLR und an Universitäten, eine starke industrielle Basis und politische Unterstützung durch die Artemis Accords und das ESA-Budget – all das zusammen macht Deutschland zu einem Partner, ohne den Artemis nicht funktioniert.
Wenn die SLS-Rakete zum Mond startet, steckt in jedem Flug ein Stück Bremen, ein Stück Köln, ein Stück München. Deutsche Technologie und Wissenschaft fliegen mit – und ebnen den Weg für den ersten Deutschen auf dem Mond.