Historischer Kurswechsel: NASA baut das Artemis-Programm um
Am 27. Februar 2026 hat NASA-Administrator Jared Isaacman die umfangreichste Neuausrichtung des Artemis-Programms seit dessen Gründung verkündet. Die Kernbotschaft: SLS Block 1B wird gestrichen, Artemis III wird keine Mondlandung mehr, und die NASA will auf einen zehnmonatigen Starttakt umstellen – statt wie bisher alle drei Jahre zu fliegen.
„Alle drei Jahre zu starten und dabei massive Änderungen an der Fahrzeugkonfiguration vorzunehmen, ist kein Rezept für Erfolg”, sagte Isaacman. „Es gibt schlicht einen richtigen und einen falschen Weg.”
Die neue Artemis-Architektur
- Artemis II
- April 2026 – Mondumrundung
- Artemis III
- Mitte 2027 – LEO-Testflug
- Artemis IV
- Anfang 2028 – 1. Mondlandung
- Artemis V
- Ende 2028 – 2. Mondlandung
- Starttakt
- ~10 Monate
- Block 1B
- Gestrichen
Artemis III: Vom Mondflug zum Testflug
Die wohl überraschendste Änderung: Artemis III ist nicht mehr die erste bemannte Mondlandung. Stattdessen wird die Mission Mitte 2027 in eine niedrige Erdumlaufbahn (LEO) fliegen – vergleichbar mit Apollo 9, das 1969 die Mondlandefähre im Erdorbit testete, ohne zum Mond zu fliegen.
Die Crew wird mit SLS und Orion starten und im Erdorbit ein Rendezvous mit einem oder beiden kommerziellen Landesystemen durchführen:
- SpaceX Starship HLS (Human Landing System)
- Blue Origin Blue Moon
Im Erdorbit sollen Docking-Schnittstellen, Lebenserhaltungssysteme, Kommunikation und Antriebssysteme getestet werden. Wenn die Entwicklung der Axiom-Raumanzüge (AxEMU) es zulässt, sollen Astronauten die Anzüge erstmals in der Schwerelosigkeit anprobieren – noch vor einem Mondeinsatz.
Isaacman begründete die Entscheidung: „Ich würde es deutlich vorziehen, dass die Astronauten die integrierten Systeme des Landers und Orion in der Erdumlaufbahn testen, als auf dem Mond.”
Erste Mondlandung: Artemis IV – Anfang 2028
Die erste bemannte Mondlandung seit 1972 verschiebt sich auf Artemis IV, geplant für Anfang 2028. Artemis V soll Ende desselben Jahres folgen – zwei Landungen in einem Jahr.
Ob die NASA diesen Takt tatsächlich halten kann, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Verfügbarkeit der kommerziellen Lander (Starship HLS, Blue Moon)
- Fertigstellung der Raumanzüge (AxEMU von Axiom Space)
- Pad-Turnaround-Zeit am Kennedy Space Center
SLS Block 1B: Gestrichen
Das geplante Upgrade der SLS-Rakete – Block 1B mit dem Exploration Upper Stage (EUS) – wird nicht realisiert. Block 1B hätte ab Artemis IV die ICPS-Oberstufe durch eine leistungsfähigere Stufe ersetzt und den neuen Mobile Launcher 2 benötigt.
Associate Administrator Amit Kshatriya erklärte die Logik: „Wir wollen die Landemissionen in einer möglichst identischen Konfiguration fliegen wie beim Erdaufstieg. Das bedeutet: eine Oberstufe und Bodensysteme so nah wie möglich an der Block-1-Konfiguration.”
Die Streichung von Block 1B bedeutet weniger Nutzlastkapazität zum Mond. Die Entscheidung wurde als „Rückkehr zur inkrementellen Philosophie, die Apollo erfolgreich gemacht hat” dargestellt – fliegen mit dem, was funktioniert, statt auf ein perfektes System zu warten.
Lunar Gateway: Zukunft unklar
Die geplante Raumstation im Mondorbit war in der neuen Architektur auffallend abwesend. Isaacman wich Fragen zum Gateway-Status aus: „Der Fokus muss auf dem schwierigsten Teil liegen – dem, was wir seit 53 Jahren nicht geschafft haben: einen guten Starttakt aufzubauen und amerikanische Astronauten zum und vom Mond zu schicken.”
Neue Workforce-Strategie
Ein weiterer Baustein der Umstrukturierung: Die NASA will mehr Festangestellte statt Contractors. Derzeit sind 75 Prozent der NASA-Belegschaft Vertragsarbeiter. Isaacman argumentiert, dass viele dieser Positionen von Beamten besetzt werden sollten, um Kontinuität und institutionelles Wissen über Missionen hinweg zu sichern.
„Wir sollten die Fähigkeit haben, Änderungen und Anpassungen vorzunehmen, weil wir die NASA sind”, sagte Isaacman. „Wir haben das alles schon einmal geschafft.”
Einordnung: Wird es funktionieren?
Die Hardware-Pipeline ist weiter als viele denken – Kshatriya listete in der Pressekonferenz den aktuellen Fertigungsstand auf und zeigte, dass genug Komponenten für vier SLS-Missionen bis Ende 2028 in Produktion sind.
Die entscheidende Frage bleibt: Kann die NASA tatsächlich einen zehnmonatigen Starttakt mit der SLS erreichen – einer Rakete, die bisher nur einmal in drei Jahren geflogen ist?
Die kommenden anderthalb Jahre werden zeigen, ob die Umstrukturierung greift oder ob es ein weiterer ambitionierter Plan bleibt, der an der technischen Realität, dem Budget und der enormen Komplexität des Vorhabens scheitert.