Lonesome Drifter: Tag 9 — der letzte volle Tag im All
“Lonesome Drifter” von Charley Crockett weckte die Crew am Morgen des 9. April. Beim Aufwachen war Orion noch 147.337 Meilen (237.100 km) von der Erde entfernt — aber die Distanz schrumpfte mit jeder Minute. Die Erdgravitation zog staerker, Orion beschleunigte.
Es war der letzte volle Tag der vier Astronauten im Weltraum. In weniger als 24 Stunden wuerden sie wieder Erdanziehung spueren.
Tag 9 auf einen Blick
- Entfernung zur Erde (Tagesbeginn)
- 147.337 Meilen (237.100 km)
- Wakeup Song
- Lonesome Drifter — Charley Crockett
- Kurskorrektur (RTC-2)
- 21:53 EDT, 9 Sekunden, 5,3 ft/s
- Splashdown
- Morgen, 10. April, ~20:07 EDT
- Landeort
- Pazifik vor San Diego, Kalifornien
Kabine umbauen: Orion wird landefaehig
Den Grossteil des Tages verbrachten Christina Koch und Jeremy Hansen damit, die Kabine fuer den Wiedereintritt vorzubereiten:
Ausruestung verstauen
Alles, was waehrend der Mission frei schwebte oder genutzt wurde — Kameras, Datentraeger, wissenschaftliche Instrumente, persoenliche Gegenstaende — musste sicher verstaut und verzurrt werden. Bei einem Wiedereintritt mit bis zu 3,9 G darf nichts zum Geschoss werden.
Sitze installieren und einstellen
Die vier Crew-Sitze wurden in ihre Landeposition gebracht und individuell justiert. Jeder Sitz muss den Koerper des jeweiligen Astronauten optimal abstuetzen, um die G-Kraefte gleichmaessig zu verteilen.
Cargo-Netze und Schliessfaecher
Koch und Hansen entfernten die Frachtnetze, die waehrend des Flugs leichte Gegenstaende in der Schwerelosigkeit gehalten hatten, und sicherten alle Schliessfaecher fuer den Wiedereintritt.
Wetter- und Bergungsbriefing
Die Crew erhielt ein ausfuehrliches Briefing von Houston mit drei Schwerpunkten:
- Wetterbericht: Bedingungen vor San Diego — Wellenhöhe, Wind, Sicht. Die Vorhersage war guenstig.
- Recovery Force Status: Die USS John P. Murtha und das gesamte Bergungsteam waren in Position und einsatzbereit.
- Entry Timeline: Minutengenaue Uebersicht aller Wiedereintrittsschritte, von der Servicemodul-Abtrennung bis zur Wasserung.
Zweite Kurskorrektur: RTC-2
Um 21:53 Uhr EDT (3:53 MESZ am 10. April) zuendete Orion seine Triebwerke fuer die zweite Return Trajectory Correction:
- Dauer: 9 Sekunden
- Geschwindigkeitsaenderung: 5,3 Fuss/Sekunde (~1,6 m/s)
- Zweck: Feinabstimmung der Flugbahn fuer den praezisen Wiedereintrittswinkel
Jeremy Hansen ueberwachte waehrend der Brennung die Leit-, Navigations- und Antriebssysteme. Die Korrektur stellte sicher, dass Orion den schmalen Wiedereintrittswinkel von etwa -6,5 Grad exakt trifft. Zu flach: Abprall an der Atmosphaere. Zu steil: Ueberhitzung jenseits der Hitzeschild-Kapazitaet.
Nach der Brennung bestaetigte Houston: Orion befand sich nun ueber der Haelfte des Rueckwegs und auf dem richtigen Kurs.
Der Countdown fuer morgen
Die NASA veroeffentlichte den detaillierten Zeitplan fuer den Wiedereintritt am 10. April:
| Zeit (EDT) | Ereignis |
|---|---|
| ~19:33 | Abtrennung des European Service Module |
| ~19:37 | Letzte Trajektorien-Feinkorrektur |
| ~19:53 | Communications Blackout — 6 Minuten Funkstille waehrend der maximalen Erhitzung |
| ~20:03 | Abwurf der Bugverkleidung, Bremsschirme bei ~22.000 Fuss |
| ~20:04 | Drei Hauptfallschirme bei ~6.000 Fuss |
| ~20:07 | Splashdown im Pazifik vor San Diego |
Unmittelbar vor dem Atmosphaereneintritt wird Orion seine maximale Geschwindigkeit von rund 38.400 km/h erreichen. Waehrend des Blackouts bildet sich ein Plasmaschild um die Kapsel — Temperaturen von ueber 2.700 Grad Celsius am Hitzeschild. Die Crew wird bis zu 3,9 G spueren.
Bergung nach der Wasserung
Innerhalb von zwei Stunden nach dem Splashdown soll die Crew aus Orion geborgen und per Hubschrauber zur USS John P. Murtha geflogen werden. An Bord des Schiffs folgen medizinische Untersuchungen, bevor die Astronauten an Land gebracht und nach Houston zum Johnson Space Center geflogen werden.
Die Live-Uebertragung startet am 10. April um 18:30 Uhr EDT auf NASA+, Amazon Prime, Apple TV, Netflix, HBO Max, Discovery+, Peacock und Roku.
Die letzte Nacht
Bevor die Crew in ihre letzte Nacht im All ging, postete die NASA ein Bild der Erde, aufgenommen aus Orions Fenster. Die Erde war kein kleiner Punkt mehr — sie fuellte bereits einen spuerbaren Teil des Sichtfelds.
Hansen schrieb in sein digitales Logbuch: “Morgen werden wir zum ersten Mal seit zehn Tagen den Wind spueren. Ich bin bereit.”
Die Welt schaut zu. Splashdown am 10. April.
Quellen: NASA Artemis Blog, NASA Flight Day 9 Update (9. April 2026), NASA Mission Status Briefing