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Projekt Artemis Lädt...

Artemis II Tag 8: Under Pressure -- Rueckkehr-Tests, Pressekonferenz und manuelle Steuerung

Am 8. April 2026 testet die Crew den Orthostatik-Anzug, spricht erstmals live mit der Presse aus dem tiefen Weltraum und steuert Orion manuell in eine Tail-to-Sun-Ausrichtung. Splashdown in zwei Tagen.

Under Pressure: Tag 8 der Artemis-II-Mission

Tag 8 begann mit einem Song, der kaum passender haette sein koennen: “Under Pressure” von Queen und David Bowie. Beim Aufwachen befand sich Orion 200.278 Meilen (322.400 km) von der Erde und 83.549 Meilen (134.400 km) vom Mond entfernt — zunehmend im Griff der Erdgravitation, die das Raumschiff stetig beschleunigt.

Tag 8 auf einen Blick

Entfernung zur Erde (Tagesbeginn)
200.278 Meilen (322.400 km)
Entfernung zum Mond (Tagesbeginn)
83.549 Meilen (134.400 km)
Wakeup Song
Under Pressure — Queen & David Bowie
Hauptaktivitaeten
Orthostatik-Test, Pressekonferenz, manuelle Steuerung
Splashdown
In 2 Tagen — 10. April, ~20:07 EDT

Fit bleiben im All: Flywheel-Training

Wie jeden Tag absolvierte die Crew ihr Flywheel-Trainingsprogramm. Das kompakte Trainingsgeraet nutzt ein Seilzugsystem, das sowohl Ausdauertraining wie Rudern als auch Kraftuebungen wie Kniebeugen und Kreuzheben ermoeglicht.

Nach zehn Tagen in der Schwerelosigkeit ist das Training nicht optional — es ist medizinische Notwendigkeit. Die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System muessen auf die Rueckkehr in die Erdgravitation vorbereitet werden.

Der Orthostatik-Anzug

Alle vier Crewmitglieder testeten abwechselnd den Orthostatic Intolerance Garment — einen speziellen Kompressionsanzug, der unter dem Orion Crew Survival System getragen wird.

Orthostatische Intoleranz

Nach laengerer Zeit in der Schwerelosigkeit kann der Koerper Schwierigkeiten haben, den Blutdruck aufrechtzuerhalten, wenn er wieder Gravitation ausgesetzt wird. Symptome reichen von Schwindel bis zur Ohnmacht. Der Kompressionsanzug uebte gezielten Druck auf die unteren Extremitaeten aus, um das Blut im Oberkörper und Gehirn zu halten — entscheidend fuer einen sicheren Wiedereintritt.

Die Tests lieferten Echtzeitdaten ueber die Wirksamkeit des Anzugs. Jedes Crewmitglied trug ihn fuer einen definierten Zeitraum, waehrend medizinische Sensoren Blutdruck, Herzfrequenz und Kreislaufparameter aufzeichneten.

Pressekonferenz aus dem tiefen All

Um 22:45 Uhr EDT (4:45 MESZ am 9. April) sprach die Crew erstmals live mit Medienvertretern — die erste Pressekonferenz aus dem tiefen Weltraum seit Apollo 17 im Dezember 1972.

1

Historische Distanz

Die Crew befand sich ueber 300.000 Kilometer von der Erde entfernt. Die Signalverzoegerung betrug etwa 1,1 Sekunden pro Richtung — spuerbar in den Gespraechspausen, aber fuer einen Dialog noch handhabbar.

2

Eindruecke vom Mondvorbeiflug

Wiseman, Glover, Koch und Hansen teilten ihre persoenlichen Highlights: den Erdaufgang ueber dem Mondhorizont, die 53-minuetige Sonnenfinsternis, und den Moment, als der Carroll-Krater nach dem kanadischen Astronauten benannt wurde.

3

Botschaft an die Erde

Koch wiederholte ihre bereits ikonisch gewordene Botschaft: “Dieser Mond gehoert uns allen.” Hansen ergaenzte auf Franzoesisch — ein Nicken an Kanadas bilinguale Identitaet und die internationale Dimension der Mission.

Die Pressekonferenz wurde live auf NASA+ und ueber alle grossen Streaming-Plattformen uebertragen.

Manuelle Steuerung: Orion gehorcht

Nach dem Mittagessen uebernahm die Crew erneut die manuelle Kontrolle ueber Orion. Das Testziel: das Raumschiff ueber das Sichtfenster auf ein vorgegebenes Ziel ausrichten und dann in eine Tail-to-Sun-Attitude manoevrieren.

Tail-to-Sun-Attitude

Bei dieser Ausrichtung zeigt das Heck von Orion zur Sonne. Das optimiert sowohl die thermische Kontrolle als auch die Energieerzeugung ueber die Solarpaneele des European Service Module. Die Crew hatte ein aehnliches Manoever bereits frueher in der Mission und waehrend der Proximity-Operations-Demonstration durchgefuehrt.

Der Test lieferte weitere Daten ueber die Steuerungseigenschaften von Orion — entscheidend fuer zukuenftige Missionen, bei denen die Crew moeglicherweise in Notfaellen manuell eingreifen muss.

Hinweis: Die Flugleitung entschied spaeter, die fuer 22:55 Uhr geplante zweite manuelle Steuerungsdemonstration zu streichen, um der Crew mehr Ruhezeit vor den anstrengenden letzten beiden Tagen zu geben.

Blick voraus: Splashdown-Vorbereitung beginnt

Die Flugleitung kuendigte die naechsten Schritte an:

  • Tag 9: Kabine umbauen, Ausruestung verstauen, Sitze installieren, zweite Kurskorrektur
  • Tag 10 (10. April): Abtrennung Servicemodul (~19:33 EDT), Wiedereintritt, Splashdown ~20:07 EDT vor San Diego

Die Crew entschied zudem, die urspruenglich geplante Strahlungsschutz-Demonstration abzusagen, um mehr Zeit fuer die Wiedereintrittsvorbereitungen zu haben. Pragmatismus vor Programm — ein Zeichen erfahrener Astronauten.

Countdown laeuft

In weniger als 48 Stunden wird Orion mit ueber 40.000 km/h in die Erdatmosphaere eintauchen. Der Skip-Entry-Wiedereintritt — einmal eintauchen, zurueckfedern, erneut eintauchen — wird erstmals mit Menschen an Bord durchgefuehrt. Bei Artemis I wurde die Technik unbemannt validiert.

Commander Wiseman fasste den Tag zusammen: “Under Pressure war der richtige Song. Aber der Druck kommt nicht von den Tests — er kommt von dem Wissen, dass wir bald wieder Gravitation spueren werden.”


Quellen: NASA Artemis Blog, NASA Flight Day 8 Update (8. April 2026), NASA Mission Status Briefing