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Projekt Artemis Lädt...

Artemis II Pressekonferenz: Rauchmelder-Alarm, Toiletten-Drama und 'Wir haetten den Mond gelandet'

Sechs Tage nach dem Splashdown stellt sich die Artemis-II-Crew erstmals der Presse in Houston. Commander Wiseman erzaehlt vom Feueralarm bei 80.000 Meilen Entfernung, dem Toiletten-Problem und einem kuehnen Wunsch: 'Wenn ihr uns die Schluessel zum Lander gegeben haettet, waeren wir gelandet.'

“Wir starteten als Freunde, wir kamen zurueck als beste Freunde”

Sechs Tage nach dem Splashdown im Pazifik traten Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen am 16. April 2026 im Johnson Space Center in Houston erstmals vor die Weltpresse. Was als routinemaessige Nachbesprechung begann, wurde zu einer der emotionalsten und ehrlichsten Pressekonferenzen der Artemis-Aera.

Pressekonferenz auf einen Blick

Datum
16. April 2026, 14:30 EDT
Ort
Johnson Space Center, Houston
Crew
Wiseman, Glover, Koch, Hansen
Dauer
Ueber eine Stunde
Thema
Erste oeffentliche Nachbetrachtung

Der Rauchmelder bei 80.000 Meilen

Eine der spannendsten Geschichten der Mission war bisher unter Verschluss: Mitten in der Rueckreise loeste ein Rauchmelder in Orion aus — und triggerte automatisch das Abschalten der Lueftung und Teile der Stromversorgung.

“Willst du jemandem wirklich schnell Aufmerksamkeit verschaffen? Lass den Feueralarm in deinem Raumschiff losgehen, wenn du noch 80.000 Meilen von zu Hause entfernt bist”, erzaehlte Commander Reid Wiseman der Presse. “Das war angespannt. Nicht beaengstigend — aber angespannt.”

Fehlalarm -- aber mit Konsequenzen

Der Alarm stellte sich als Fehlalarm heraus. Dennoch fuhr die Automatik wie vorgesehen Lueftung und nicht-essentielle Stromversorgung herunter — ein Standardprotokoll, um einem potentiellen Feuer den Sauerstoff zu entziehen. Houston musste aus der Ferne diagnostizieren und die Systeme wieder hochfahren. Ein echter Test fuer Mission Control und Crew-Kommunikation unter Stress.

Das Toiletten-Problem: Jetzt offiziell

Auch das bereits angedeutete Toiletten-Problem wurde konkret:

“Wir hatten Druckverlust durch unsere PCA-Baugruppe”, erklaerte Wiseman. “Wir hatten ein paar Probleme mit der Entlueftungsleitung der Toilette, die fuer uns auf der primaeren Entlueftungsleitung etwas problematisch waren.”

Die technische Diagnose:

  • Die Toilette selbst funktionierte — der Spuelvorgang lief normal
  • Das Problem: Wenn die Fluessigkeit aus der Toilette abfloss, verstopfte sie die Entlueftungsleitung
  • Konsequenz: Der Tank konnte nur “unter zehn Toilettengaenge” halten, dann musste er ausgeleert werden
  • Die Crew entwickelte ein Workaround-Protokoll, das fuer den Rest der Mission funktionierte

Wiseman nahm die Ingenieure ausdruecklich in Schutz: “Das Toiletten-System ist eines der essentiellsten Geraete an Bord. Die Ingenieure haben hart daran gearbeitet."

"Wir haetten den Mond gelandet”

Die wohl provokanteste Aussage kam, als Wiseman ueber die Naehe zum Mond sprach. Die Crew war auf 4.067 Meilen (~6.500 km) an die Mondoberflaeche herangekommen — so nah wie kein Mensch seit Apollo 17.

“Es ist nicht der Sprung, den ich dachte, dass es waere”, sagte Wiseman. “Wenn ihr uns die Schluessel zum Lander gegeben haettet, haetten wir ihn runtergebracht und auf dem Mond gelandet.”

Er verwies auf Gespraeche mit Apollo-10-Veteranen — die ebenfalls knapp am Mond vorbeiflogen, ohne zu landen. Auch sie hatten ihm gesagt: “Wenn wir genug Treibstoff gehabt haetten, waeren wir gelandet.”

Schon in Vorbereitung auf Artemis III

Innerhalb weniger Tage nach dem Splashdown testete die Crew bereits neue Weltraumanzuege und absolvierte anspruchsvolle Geologie-Uebungen auf simuliertem Mondterrain. Die Postflight-Phase ist zugleich der Beginn der Vorbereitung fuer Artemis III — voraussichtlich 2027.

Koch definiert “Crew” neu

Die emotionalste Wortmeldung kam von Christina Koch. Sie habe, so erzaehlte sie, Jahre zuvor einmal in einem Vortrag die Frage gestellt bekommen: “Was unterscheidet eine Crew von einem Team?” Damals habe sie keine gute Antwort gewusst. Jetzt, nach zehn Tagen im All, habe sie eine:

“Eine Crew ist eine Gruppe, die zu jeder Zeit voll dabei ist, egal was passiert — die jede Minute im Gleichtakt rudert mit dem gleichen Ziel, die bereit ist, still fuereinander zu opfern, die Gnade gibt und Rechenschaft fordert. Eine Crew hat die gleichen Sorgen und die gleichen Beduerfnisse. Eine Crew ist unentrinnbar, schoen, pflichtbewusst verbunden.”

Als sie die Erde aus grosser Entfernung sah, sei nicht die Erde selbst das Eindruecklichste gewesen — sondern “die ganze Schwaerze um sie herum. Die Erde war einfach dieses Rettungsboot, ungestoert im Universum haengend.”

Glover: Drei menschliche Erfahrungen

Victor Glover strukturierte seine Rede um drei Begriffe:

  1. Dankbarkeit: Fuer Familie, NASA, die kanadische Raumfahrtagentur, die Teams, die “Nein” sagten wenn noetig und “Ja” wenn moeglich
  2. Freude: Der “Joy Train” der Crew — “wir sind nicht immer auf dem Joy Train, aber wir sind entschlossen, so schnell wie moeglich wieder aufzusteigen”
  3. Liebe: “Wenn ihr hier nach oben schaut, seht ihr nicht uns. Wir sind ein Spiegel, der euch reflektiert. Wenn euch gefaellt, was ihr seht — dann schaut ein bisschen tiefer. Das seid ihr.”

Wiseman: “Wir sind fuer immer verbunden”

Wiseman dankte zuerst seinen Crew-Mitgliedern:

“Victor, Christina und Jeremy — wir sind fuer immer verbunden, und niemand hier unten wird je wissen, was wir vier durchgemacht haben. Und es war das besonderste, was je in meinem Leben passieren wird.”

Er dankte auch den Familien — besonders der Frau des Apollo-13-Veteranen Jim Lovell, Marilyn (“Marilyn”), und der Familie von Commander-Kollege Dot: “Ich werde heute McDonald’s zu Ehren deines Mannes besuchen.” Ein Insider-Witz, der den Saal zum Lachen brachte.

“Niemand weiss, was die Familien durchgemacht haben. 200.000 Meilen von zu Hause entfernt zu sein — das ist nicht einfach. Vor dem Start fuehlt es sich an wie der groesste Traum der Welt. Und wenn du dort draussen bist, willst du einfach nur zurueck zu deiner Familie und deinen Freunden. Es ist etwas Besonderes, ein Mensch zu sein. Und es ist etwas Besonderes, auf dem Planeten Erde zu sein.”

Hansen: Stolz aus Kanada

Jeremy Hansen, der erste Nicht-Amerikaner auf einem Mondflug, sprach von “Disziplin, Demut und harter Arbeit” als den tiefsten kanadischen Werten, die die Crew verkoerpert habe. Seine Kollegin Jenni Gibbons hatte als CAPCOM an der Bodenstation gearbeitet — eine kanadisch-kanadische Verbindung ueber 400.000 Kilometer hinweg.

Der Satz, der alles zusammenfasst

Wiseman schloss seine Einleitung mit einem Satz, der im Saal fuer Stille sorgte:

“Wir starteten als Freunde, und wir kamen zurueck als beste Freunde.”

Artemis II war eine Testmission. Die Crew hat alle primaeren Ziele erreicht. Aber was sie der Welt mitgebracht haben, steht in keinem technischen Bericht.


Quellen: NASA Artemis II Postflight News Conference (16. April 2026), Rev.com Transcript, Starlust, NYT, NASA Johnson Space Center