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Artemis II Tag 6: Der Mondvorbeiflug -- Rekord, Funkstille, Sonnenfinsternis und Traenen

Am 6. April 2026 flogen vier Menschen am Mond vorbei. Sie brachen den Entfernungsrekord, tauften Krater, sahen eine Sonnenfinsternis und Meteoriteneinschlaege. Der komplette Bericht.

Der Mondvorbeiflug: 7 Stunden, die in die Geschichte eingehen

Am 6. April 2026 flogen vier Menschen naeher am Mond vorbei als irgendjemand seit 1972. Sie brachen einen 56 Jahre alten Rekord, tauften Krater nach einer verstorbenen Ehefrau, sahen die Erde hinter dem Mond verschwinden, beobachteten Meteoriteneinschlaege auf der Mondrueckseite und erlebten eine 53-minuetige Sonnenfinsternis aus dem Deep Space.

Dies ist der komplette Bericht.

Flyby auf einen Blick

Rekord gebrochen
252.756 Meilen (406.771 km) von der Erde
Naechste Annaeherung
4.067 Meilen (6.544 km) ueber dem Mond
Funkschatten
40 Minuten hinter dem Mond
Sonnenfinsternis
53 Minuten (20:35-21:32 EDT)
Meteoriteneinschlaege
4 beobachtet
Beobachtungsdauer
7 Stunden

Jim Lovells letzter Gruss

Der Tag begann mit Gaensehaut. Mission Control spielte der Crew eine aufgezeichnete Botschaft des verstorbenen Apollo-Astronauten Jim Lovell vor — aufgenommen Monate vor seinem Tod im August 2025.

Lovell, der als Pilot von Apollo 8 1968 als erster Mensch den Mond umrundete und als Commander von Apollo 13 1970 den bisherigen Entfernungsrekord aufstellte, sagte:

“Hello, Artemis 2, this is Apollo astronaut Jim Lovell. Welcome to my old neighborhood. When Frank Borman and Bill Anders and I orbited the moon on Apollo 8, we got humanity’s first up close look at the moon, and got a view of the home planet that inspired and united people around the world.”

“I’m proud to pass that torch on to you. Don’t forget to enjoy the view. Good luck and Godspeed from all of us here on the good Earth.”

Commander Wiseman funkte zurueck: “Very cool to hear him welcome us to the neighborhood. It’s gonna be a great day.”

Jim Lovell (1928-2025)

James Lovell flog viermal ins All: Gemini 7, Gemini 12, Apollo 8 und Apollo 13. Er war der erste Mensch, der zweimal zum Mond flog. Seine Nachricht an die Artemis-II-Crew war sein letzter oeffentlicher Beitrag zur Raumfahrt.

13:56 EDT — Der Rekord faellt

Um 13:56 Uhr EDT (19:56 MESZ) durchbrach Orion die magische Grenze von 248.655 Meilen — die Entfernung, die Apollo 13 im Jahr 1970 erreicht hatte. Zum ersten Mal in 56 Jahren waren Menschen weiter von der Erde entfernt als je zuvor.

Commander Reid Wiseman markierte den Moment:

“From the cabin of Integrity, as we surpass the furthest distance humans have ever traveled from planet Earth, we do so in honoring the extraordinary efforts and feats of our predecessors in human space exploration. We most importantly choose this moment to challenge this generation and the next to make sure this record is not long lived.”

MissionMax. EntfernungJahr
Apollo 13248.655 Meilen (400.171 km)1970
Artemis II252.756 Meilen (406.771 km)2026

Der Unterschied: Apollo 13 erreichte seinen Rekord waehrend eines lebensbedrohlichen Notfalls. Artemis II brach ihn planmaessig, mit einer gesunden Crew und einem voll funktionsfaehigen Raumschiff.

Krater taufen — Traenen im Orbit

Kurz nach dem Rekord kam der emotionalste Moment der gesamten Mission. Mission Specialist Jeremy Hansen ergriff das Mikrofon und schlug vor, einen unbenannten Krater nach einer verlorenen Person zu benennen.

“Her name was Carroll, the spouse of Reid, the mother of Katie and Ellie.”

Commander Reid Wiseman hatte seine Frau Carroll 2020 an Krebs verloren. Die Crew umarmte sich, wischte sich die Augen — und machte dann weiter. Wisemans Toechter und Familie verfolgten den Moment aus der Galerie des Mission Control Centers.

Der Carroll-Krater liegt in der Naehe des Glushko-Kraters, “just to the northwest of that, at the same latitude as home”, sagte Hansen. “It’s a bright spot on the moon” — sichtbar von der Erde.

Einen zweiten unbenannten Krater schlug die Crew vor, Integrity zu nennen — nach ihrem Raumschiff.

7 Stunden Mondbeobachtung

Die Crew arbeitete in Schichten. Jeweils zwei Astronauten standen an den Fenstern, waehrend die anderen zwei unterstuetzten, assen oder ruhten. Insgesamt beobachteten sie 30 Oberflaechen-Ziele auf Vorder- und Rueckseite des Mondes.

1

Koch und Glover -- erste Schicht

Die beiden begannen mit dem Orientale-Becken, dem gewaltigen Einschlagskrater an der Grenze zwischen Vorder- und Rueckseite. Koch beschrieb, wie der Mond ploetzlich “real” wurde: “Something just drew me in suddenly to the lunar landscape. The moon really is its own body in the universe. It’s not just a poster in the sky.”

2

Wiseman und Hansen -- zweite Schicht

Sie uebernahmen fuer Beobachtungen des Glushko-Kraters und anderer Formationen. Glover hatte zuvor etwas Besonderes entdeckt: beleuchtete Berggipfel jenseits des Terminators — “islands out beyond the terminator” — Berge, die so hoch ragten, dass sie noch Sonnenlicht einfingen, obwohl sie auf der Nachtseite lagen.

3

Wissenschaftsteam aktualisiert Plaene in Echtzeit

Die Beobachtungen der Crew waren so detailliert, dass das Lunar Science Team in Houston seine Plaene waehrend des Flyby anpasste. Science Officer Kelsey Young: “I can’t say enough how much science we’ve already learned. You really brought the moon closer for us today.”

Glover beschrieb, wie der Blick durch das Zoomobjektiv sich anfuehlte: “It was hard to speak looking through the zoom. I was walking around there on the surface, climbing it. Off-roading on the terrain.”

18:44 EDT — Funkstille hinter dem Mond

Der spannendste Moment: Um 18:44 Uhr EDT (0:44 MESZ) verschwand Orion hinter dem Mond. Fuer 40 Minuten gab es keinen Kontakt zur Erde.

Pilot Victor Glover nutzte die letzten Sekunden vor dem Signalverlust fuer eine bewegende Botschaft — waehrend die Kamera Orion, den Mond und eine sichelfoermige Erde in einem einzigen Bild zeigte:

“Thank you to all of you for allowing us the immense privilege to be on this journey together. As we get close to the nearest point to the moon and farthest point from Earth, as we continue to unlock the mysteries of the cosmos, I would like to remind you of one of the most important mysteries there on Earth, and that’s love.”

“We feel your love from Earth. And to all of you down there on Earth and around Earth, we love you from the moon.”

Dann: Stille.

40 Minuten ohne Kontakt

Flugdirektor Rick Henfling war gelassen: “This is just like an extended handover. We know where the spacecraft is, we know where it’ll be when we come out of LOS, and so we’re not worried.” Aehnliche Blackouts traten bei Artemis I und allen Apollo-Missionen auf.

Erduntergang und Maple Cream Cookies

Um 18:45 EDT erlebte die Crew den Erduntergang — die Erde glitt hinter den Mond und verschwand. Der Ort, an dem 8 Milliarden Menschen leben, war fuer 40 Minuten nicht mehr sichtbar.

Was machte die Crew waehrend des Funkschattens? Sie feierte. Jeremy Hansen hatte Maple Cream Cookies mitgebracht — kanadische Kekse fuer den historischen Moment. Commander Wiseman nannte es einen “surreal moment”.

19:02 EDT — 4.067 Meilen ueber dem Mond

Um 19:02 Uhr EDT (1:02 MESZ) erreichte Orion den erdnaechsten Punkt zum Mond: nur 4.067 Meilen (6.544 km) ueber der Mondrueckseite. Unter der Kapsel: Krater, Hochlaender und Formationen, die noch nie ein Mensch mit blossem Auge gesehen hatte.

Fuenf Minuten spaeter, um 19:07 EDT, erreichte die Crew ihre maximale Entfernung von der Erde: 252.756 Meilen (406.771 km).

19:24 EDT — “It is so great to hear from Earth again”

Puenktlich nach 40 Minuten stellte das Deep Space Network den Kontakt wieder her. Die Welt atmete auf.

Mission Specialist Christina Koch meldete sich:

“Houston, we have you the same, and it is so great to hear from Earth again. To Asia, Africa and Oceania, we are looking back at you. We hear you can look up and see the moon right now. We see you too.”

Dann folgte eine der poetischsten Botschaften der Raumfahrtgeschichte:

“When we burned this bird towards the moon, I said that we do not leave Earth, we choose it, and that is true. We will explore. We will build ships. We will visit again, build science outposts. We will drive rovers. We will do radio astronomy. We will found companies. We will bolster industry. We will inspire. But ultimately, we will always choose Earth. We will always choose each other.”

Die Sonnenfinsternis — 53 Minuten Totalitaet

Um 20:35 EDT (2:35 MESZ) tauchte Orion in den Schatten des Mondes ein. Was folgte, war ein Spektakel, das noch nie ein Mensch so erlebt hatte: eine 53-minuetige totale Sonnenfinsternis, gesehen von der Rueckseite des Mondes.

1

Die Korona

Die Crew sah die Sonnenkorona — den leuchtenden Strahlenkranz der Sonne, der normalerweise von der Helligkeit des Sterns ueberstrahlt wird. Glover beschrieb Strukturen, die er als “Baby Hairs” bezeichnete — feine Streamer im solaren Material. “If you’ve ever seen the spotlight off the top of the Luxor at night in Las Vegas, this looks like what that wants to be when it grows up.”

2

Planeten-Parade

Waehrend der Finsternis sah die Crew Venus (als blinkender Punkt), Mars und Saturn — sowie die leuchtende Erde. Wiseman: “We could see the corona of the sun, and then we could see the planet train line up with Mars.”

3

Meteoriteneinschlaege

Die Crew beobachtete 4 Lichtblitze auf der Mondnaeherseite — Einschlaege von Weltraumgestein auf der Mondoberflaeche. Alle trafen in der Naehe oder suedlich des Mondaequators auf. Solche Beobachtungen liefern wertvolle Daten ueber moegliche Gefahren fuer kuenftige Mondbasen.

4

Erdschein auf dem Mond

In der Dunkelheit der Finsternis beleuchtete das Licht der Erde die Mondoberflaeche — der sogenannte Erdschein. Glover: “You can actually see a majority of the moon. It is the strangest looking thing.” Er nannte den Anblick “sci-fi”.

Erste Frau am Mond

Christina Koch wurde die erste Frau in der Geschichte, die einen Mondvorbeiflug absolvierte. Gefragt nach einem Wort fuer die Reise, sagte sie: “Humility.”

“We would never be here if it weren’t for so many people that came before us — starting with Neil Armstrong, Katherine Johnson, civil rights movement leaders — everyone who worked on this spacecraft before we got here.”

Koch war auch ehrlich ueber ihre Gefuehle: “I’m not ready to come home.”

Ueber das manuelle Fliegen von Orion schwraemte sie: “It was just amazing to be in a deep space spacecraft and just be flying it around by hand.”

Trump-Anruf und Einladung

Nach dem Flyby rief Praesident Donald Trump die Crew an. “Today you’ve made history and made all America really proud. There’s nothing like what you’re doing. You really are modern day pioneers.”

Hansen antwortete im Namen Kanadas: “A nation that leads like that and creates big goals for humanity that brings other countries along with it is truly incredible.”

Trump lud die Crew nach ihrer Rueckkehr ins Oval Office ein: “I’ll ask for your autograph. Because I don’t really ask for autographs much, but you deserve that.”

Wiseman ueber die Perspektive

Commander Wiseman fasste den Tag zusammen:

“On the International Space Station, we’re 250 nautical miles up, and that’s the most beautiful view a human could ever experience. And we are dealing with numbers that are 250,000 miles. It is impossible as a human to look at these displays and comprehend them. And here we are, and NASA is doing this, and an international team is doing this — and they’re doing it very well.”

Auf dem Weg nach Hause

Die Crew ist nun auf dem Rueckweg zur Erde. Am 7. April verlaesst Orion die Gravitationssphaere des Mondes. Es folgen:

  • Rueckflug-Korrekturbrennungen
  • Anruf bei der ISS-Besatzung
  • Debriefing mit dem Wissenschaftsteam
  • Wasserung am 10. April im Pazifik vor San Diego

Kelsey Young, Wissenschaftsleiterin, schloss den Tag ab: “I can’t say enough how much science we’ve already learned and how much inspiration you’ve provided to our entire team, the lunar science community and the entire world. You really brought the moon closer for us today.”

Commander Wiseman bedankte sich: “We were well prepared, and we appreciate all of you. This is what we do best when we all come together and work as a team. Y’all knocked it out of the park.”

NASA-Administrator Jared Isaacman: “You represent the absolute best of us. We are proud of you. Godspeed and Go Artemis II.”


Quellen: NASA Artemis Blog, CNN, Space.com, Mashable, NPR, New York Times, ABC News