Tag 3: Auf halber Strecke zum Mond
Stille im Deep Space. Am dritten Flugtag befand sich Orion auf halbem Weg zwischen Erde und Mond — rund 160.000 km von der Erde und 240.000 km vom Mond entfernt. Und die Flugbahn war so praezise, dass Houston zwei geplante Korrekturen einfach strich.
Tag 3 auf einen Blick
- Entfernung
- ~160.000 km von der Erde
- Geschwindigkeit
- stetig abnehmend (Mondgravitation uebernimmt)
- Korrekturbrennung 1
- gestrichen (nicht noetig)
- Korrekturbrennung 2
- gestrichen (nicht noetig)
- Rekord-Bestaetigung
- 252.757 Meilen max. Entfernung
Praezision wie im Lehrbuch
Orion Program Manager Howard Hu bestaetigte in der taeglichen Pressekonferenz: Der TLI-Burn am Vortag war so exakt, dass die Flugbahn keine Korrektur benoetigte. Beide geplanten Outbound Trajectory Correction Burns wurden gestrichen.
Das ist bemerkenswert: Bei Apollo-Missionen waren Korrekturbrennen Standard. Dass Orion ohne auskommt, zeigt die Praezision moderner Navigationssysteme.
Flugdirektor Rick Henfling: “We found that Orion was on such a pinpoint trajectory that we didn’t need to do the first two correction maneuvers.” Eine dritte, minimale Korrektur bleibt fuer Tag 5 eingeplant — als Feintuning vor dem Mondvorbeiflug.
Helium-Glitch — kein Problem
Ein kleiner Schoenheitsfehler: Das Helium-Drucksystem im European Service Module zeigte eine Unregelmaessigkeit. Das System haelt den Treibstoff unter Druck und ist entscheidend fuer die Triebwerkszuendungen.
Die Loesung war schnell gefunden: Umschaltung auf ein Backup-System. Howard Hu betonte, dass keine Gefahr fuer die Mission bestehe. Orion hat mehrere redundante Systeme — genau fuer solche Faelle.
Wisemans Fotos
Der emotionale Hoehepunkt des Tages: Commander Reid Wiseman fotografierte die Erde aus dem Orion-Fenster. Die Bilder zeigten unseren Planeten als leuchtende blaue Kugel vor der Schwaerze des Alls — ein Anblick, den seit 1972 kein Mensch mehr mit eigenen Augen gesehen hatte.
“Crazy that we’re seeing 105,000 miles and it’s still going up pretty quick”, funkte Wiseman, waehrend er die wachsende Entfernung auf dem Display beobachtete.
Die Fotos wurden ueber das Deep Space Network zur Erde uebertragen und gingen viral. Die ISS-Besatzung hatte den Start aus dem Orbit verfolgt und gruesse an die Artemis-Crew geschickt.
Entfernungsrekord bestaetigt
Flugdirektor Judd Frieling bestaetigte offiziell: Die Artemis-II-Crew wird am 6. April den Entfernungsrekord von Apollo 13 brechen.
| Mission | Max. Entfernung | Jahr |
|---|---|---|
| Apollo 13 | 248.655 Meilen (400.171 km) | 1970 |
| Artemis II | 252.757 Meilen (406.773 km) | 2026 |
Der Unterschied: Apollo 13 erreichte seinen Rekord ungeplant — waehrend eines Notfalls. Artemis II wird ihn planmaessig brechen, mit einer gesunden Crew und einem voll funktionsfaehigen Raumschiff.
Alltag im Deep Space
Der Rest des Tages gehoerte der Routine:
- CPR-Demonstration: Die Crew testete Wiederbelebungsmassnahmen in Schwerelosigkeit — fuer den Notfall
- Pressegespraech: Die Astronauten beantworteten Fragen von Journalisten
- Kanada-Event: Jeremy Hansen sprach mit kanadischen Offiziellen
- Mittagessen: Die Crew genoss ihr Weltraum-Menue — vakuumverpackt, aber nahrhaft
Die Crew hat ein abwechslungsreiches Menue: von Shrimp Cocktail ueber Tortillas bis zu gefriergetrocknetem Obst. Frisches Essen gibt es nicht — alles muss haltbar und leicht sein. Jeder Astronaut hat pro Tag etwa 2.000 Kalorien zur Verfuegung.
Blick voraus
Die Crew bereitete sich bereits auf die kommenden Tage vor: Studium der Mond-Fotografieziele, Review der Flyby-Prozeduren und Schlaf. Die naechste grosse Herausforderung wartete am 6. April — dem Tag des Mondvorbeiflugs.
Quellen: NASA Artemis Blog, Space.com, ABC News