Tag 4: Alltag im Deep Space — mit Ueberraschungen
Raumfahrt ist nicht nur spektakulaere Burns und historische Momente. Tag 4 der Artemis-II-Mission zeigte die andere Seite: Probleme mit der Toilette, ein raetselhafter Brandgeruch — und vier Astronauten, die zum ersten Mal alle selbst das Steuer uebernahmen.
Tag 4 auf einen Blick
- Weckruf
- Pink Pony Girl (Chappell Roan)
- Entfernung
- ~300.000 km von der Erde
- Problem 1
- Brandgeruch aus der Toilette
- Problem 2
- Urin-Ventil blockiert (Eis)
- Highlight
- Alle 4 Astronauten fliegen Orion manuell
Weckruf: Pink Pony Girl
Flugtag 4 begann um 12:35 Uhr EDT mit einem ungewoehnlichen Weckruf: “Pink Pony Girl” von Chappell Roan ertoente in der Kapsel. Mission Control brach den Song kurz vor dem Refrain ab.
Commander Wiseman funkte zurueck: “We were all eagerly awaiting the chorus.”
Der Brandgeruch
In der Nacht hatte Mission Specialist Christina Koch einen beunruhigenden Geruch gemeldet: Es roch nach Verbranntem — aus der Richtung der Toilette.
“Regarding the smell, I just wanted to make sure you all were tracking the kind of burning heater smell that was coming from the toilet several times”, funkte Koch an Mission Control. “It was never identified as the source, what it exactly was, but it was identified as an unknown smell.”
Die Flugkontrolleure vermuteten zunaechst die orangefarbene Isolierung an der Toilettentuer als Ursache. Die Crew beschrieb den Geruch eher wie einen alten Heizkoerper, der lange nicht benutzt wurde.
In einem geschlossenen Raumsystem ist jeder unbekannte Geruch ein potenzielles Sicherheitsrisiko. Brennende Materialien, chemische Reaktionen oder elektrische Defekte koennen gefaehrlich werden. Mission Control gab dennoch Entwarnung: “Overall, we don’t have any major concerns.” Die Crew durfte die Toilette weiter nutzen.
Das Urin-Ventil-Problem
Dann kam das eigentliche Problem: Das Abwasser-Ventil von Orion, ueber das Urin und Abwasser ins All abgelassen wird, war blockiert. Verdacht: Eisbildung an der Aussenseite der Duese.
Die Crew wurde angewiesen, auf Notfall-Urinbeutel (Collapsible Contingency Urinal Devices) umzusteigen. Jeder Astronaut hatte zwei Stueck an Bord.
Problem erkannt
Mission Control stellte fest, dass das Wastewater-Vent-System kein Abwasser mehr abfuehren konnte. Ursache: vermutlich Eisbildung an der Duese im Vakuum des Alls.
Fix: Sonne + Heizung
Die Crew drehte Orion so, dass das Ventil zur Sonne zeigte. Gleichzeitig wurden die eingebauten Heizungen aktiviert. Ziel: Das Eis schmelzen.
Teilerfolg
Am Nachmittag konnte der halbe Tank geleert werden. Flugdirektor Judd Frieling: Die Crew solle weiterhin die Notfallbeutel verwenden, bis das System vollstaendig wiederhergestellt sei.
Problem geloest
Spaeter am Tag gelang der vollstaendige Dump. Das Heizen und die Sonnenausrichtung hatten gewirkt. Orion konnte wieder normal Abwasser ablassen — eine grosse Erleichterung fuer die Crew.
NASA-Astronaut Don Pettit, der nicht an Artemis II teilnimmt, teilte Fotos des CCU (Collapsible Contingency Urinal) auf Social Media. Es ist ein wiederverschliessbarer, entleerbarer Behaelter, der die Fluessigkeit durch Kapillarkraefte kontrolliert — aehnlich wie sein beruhmter “Space Cup” den Kaffee in Schwerelosigkeit haelt.
Alle vier am Steuer
Der Hoehepunkt des Tages: Um 21:10 Uhr EDT begann ein manueller Flugtest, bei dem alle vier Astronauten nacheinander die Steuerung von Orion uebernahmen. Am Tag 1 hatte nur Pilot Victor Glover geflogen — jetzt durfte jedes Crew-Mitglied Orions Triebwerkssystem bedienen.
Die Astronauten bewerteten die Handhabung auf der Cooper-Harper-Skala — einem Standardsystem zur Bewertung von Flugeigenschaften. Diese Daten sind entscheidend fuer kuenftige Missionen.
Mond-Beobachtung: Erste Probe
Am Abend stand die erste Mond-Beobachtungssession auf dem Plan. Die Crew uebte, die zugewiesenen Mondoberflaechen-Ziele durch die Fenster zu fotografieren und zu dokumentieren.
Das Wissenschaftsteam in Houston war begeistert. Artemis-II-Wissenschaftsleiterin Jennifer Hellmann: “They crushed it. We were excited for the flyby before, don’t get me wrong. But we are, like, super, super excited now because they’re so good!”
Pressegespraech aus dem Deep Space
Die Crew sprach mit Journalisten von NBC und CBS News — live aus dem Deep Space. Ein Novum: Zum letzten Mal hatten Astronauten 1972 von jenseits des Erdorbits mit der Presse gesprochen.
Um 0:25 Uhr EDT am 5. April beantwortete Jeremy Hansen ausserdem Fragen der kanadischen Presse — eine Premiere fuer die Canadian Space Agency.
Quellen: NASA Artemis Blog, Space.com, Don Pettit/X